Ein Bilderbuchleben wie es im Buche steht

96 Jahre und kein bisschen leise – Ilse Eliza Zellermayer

Ilse Eliza Zellermayer, die große Impressaria der Opernwelt und Managerin des berühmten Tenors Luciano Pavarotti erzählt im Alter von 97 Jahren aus ihrem spannenden Leben.

Wir schreiben den 18. Juni 1920.

In Berlin geht es hoch her. Vor knapp einem Jahr wurde für Deutschland ein neues Zeitalter eingeläutet, als am 11. August 1919 die Weimarer Republik gegründet wurde. Berlin als alte und neue Hauptstadt des deutschen Reiches erlebte in den nächsten 15 Jahren eine bewegende Zeit und den Aufbruch in die Moderne des 20. Jahrhunderts. Diesen Zeitgeist hat Ilse Eliza Zellermayer mit der Muttermilch aufgesogen, als sie in diese spannende Zeit im berühmten Hotel am Steinplatz in unmittelbarer Nähe des Kudamms als Nesthäkchen mit 2 älteren Brüdern geboren wurde. Ihr Vater, der bekannte Berliner Bankier Max Zellermayer, hatte sich kurz vor Beginn des ersten Weltkriegs als Hotelier betätigt. Er kaufte das ehemalige Offizierskasino am Steinplatz und eröffnete dort ein modernes Hotel in angesagter Jugendstilarchitektur. In diesem Hotel gaben sich bis 1976 die Berühmtheiten der jeweiligen Zeit, Künstler, Politiker, gekrönte Häupter die Klinke in die Hand. Nach der russischen Revolution mieteten viele Großfürsten samt Equipage ganze Etagen. Auch die Witwe Stresemann wohnte in den zwanziger Jahren bis zu ihrem Lebensende im Hotel am Steinplatz.

Die Rolle des Vaters

Die kleine Ilse Eliza wird von ihrem Vater geliebt und gefördert, was ihr bis ins hohe Lebensalter eine unglaubliche Kraft verliehen hat und einen Lebensmut, der sie über viele Hürden eines Lebens in der Machtzentrale der großen Opernwelt, aber auch als trauende Mutter und Frau mit Herz bis heute hinwegträgt.

Die junge Ilse Eliza Zellermayer.

„Schicke nicht ins Leben spähend Deine Blicke. Das Glück erwartend mit der Sehnsucht Pein, bau Dir zum Glück mit eigner Hand die Brücke, beglücke Du – so wirst Du glücklich sein!“

Diesen Spruch, den ihr der geliebte Vater in das Poesiealbum geschrieben hat, sollte ihr Leben bis ins hohe Alter prägen, wie sie noch heute gerne erzählt.

Er erklärt, wie aus der kleinen Ilse Eliza Zellermayer ab den 60er Jahren des 20. Jahrhundert für 40 Jahre die mächtigste Frau der Opernwelt werden konnte.Selbst ausgebildete Opernsängerin, hat sie die eigene Sängerkarriere an den Nagel gehängt, um für andere die große Opernbühne zu bereiten:

Luciano Pavarotti, Mirella Freni, Raimondi und Lucia Alba sind die wichtigsten unter den großen Namen, die von Ilse Eliza Zellermayer sicher durch das Dickicht der Bühnenverträge, Urheberrechte, Zeitungsinterviews, Fernsehaufzeichnungen, Zahlen und vieler anderer Themen der großen und mächtigen Welt hinter der schillernden Opernbühne geführt wurden. Diese Königinnen und Könige der Oper haben  Ilse  Eliza Zellermayer ihre große Sängerkarriere zu verdanken.

Alle diese großen Namen sind ihr zu Füssen gelegen. Ilse Eliza Zellermayer war eine wunderschöne Frau und vor allem hatte sie viel Charme:

„Alle männlichen Sänger, die Sie vertreten lieben dich. Seniora Ilse Eliza, seit 32 Jahren möchte ich Ihnen das sagen. Ich möchte Ihnen näher kommen.“

Mit diesen Worten hat sich der große Raimondi als treuer Verehrer zu erkennen gegeben.

„Ich habe Privates und Geschäftliches immer streng getrennt. Das war als Managerin eines meiner Erfolgsrezepte, “ sagt  Ilse Eliza Zellermayer heute dazu. „Diese Zeit war wunderbar“, erzählt sie mir in unserem gemeinsamen Interview, das ich als Vorbereitung meiner Moderation für ihren Auftritt beim Rolls-Royce Enthusiasts‘ Club German Section e.V.-  mit ihr führen durfte.

Jens Meggeneder mit Ilse Eliza Zellermayer, Ihrer Enkelin und Nichte und Chefredakteurin Eva-Maria Popp.

Der Clubvorsitzende Jens Meggeneder, Gebietsleiter Berlin,  hat  die Clubmitglieder zu einem Vortragsabend in das Schlosshotel am Grunewald in Berlin eingeladen, in dem Ilse Eliza Zellermayer aus ihrem Leben als Opernimpressaria sprach. Abgerundet wurde dieser wundervolle Abend durch den Auftritt des mexikanischen Tenors Enrique Ambrosio, der mit seiner begnadeten Stimme als ehemaliger Sänger an der MET in New York, den Vortragssaal des Schlosshotels zum Erzittern brachte.

„Für mich als Frau war es in der damaligen Zeit eine unglaubliche Karriere und Machtposition, die ich in der knallharten Welt der großen Oper innehatte. Die guten Beziehungen und Freundschaften zu den Gästen des Hotels am Steinplatz haben mir dabei viele Türen geöffnet, aber auch mein respektvoller, unvoreingenommener Umgang mit Künstlern und Promis, den ich von Jugend auf gewohnt war. Vor allem aber war es das Gottvertrauen meines Vaters, das mir Lebenskraft und Stärke gegeben hat.“

Noch heute pflegt sie gute Beziehungen in die Welt der Kunst. Regelmäßig lädt sie in ihr wunderschönes Haus am See in Glienicke zu Soiréen ein, in denen viel gesungen, gelacht und gut gegessen wird.

Einer der treusten Freunde, die zu Gast bei diesen wunderbaren, privaten Liederabenden sind, ist der Tenor Michele Tiziano, der in den 60er und 70er Jahren ein begnadeter Balletttänzer an der Deutschen Oper in Berlin war und danach als Manager des großen und unvergessenen Nurejew in die Ballettgeschichte eingegangen ist mit seiner früheren Tanzpartnerin, der ehemaligen Prima Ballerina  Lucyna Recke.

Bewundernswert, wie Ilse Eliza Zellermayer im hohen Alter immer noch ihr Leben meistert. Unser Interviewtermin bei Kaffee und Kuchen auf der Terrasse mit Blick über den See wird begleitet von ihrer Nichte Andrea Zellermayer, die ihr in Sachen Kunst und Kulturmanagement, beim Bücherschreiben und Interviews zur Hand geht. Ansonsten meistert sie ihr Leben als betagte Seniorin weitgehend alleine mit kleinen Hilfen durch Alltagsbegleiter.

Ilse Eliza Zellermayer im Gespräch mit Chefredakteurin Eva-Maria Popp

Bei aller Lebenslust und dem großen Glück, das Frau Zellermayer ein Leben lang begleitet hat, gibt es einen großen Schatten, der Zeit ihres Lebens auf ihr lasten wird. Das ist der grausame Tod ihres ersten Kindes. „Ich werde es bis an mein Lebensende nie vergessen, wie er in meinen Armen starb, mein kleiner Paris. Ich denke jeden Tag an ihn.“ Diese Worte zeigen die andere Seite der großen und starken Karrierefrau. Sie zeigen das Leben und Fühlen einer Mutter, die ihren erstgeborenen Sohn betrauert. „Ich war als junge Frau von 22 Jahren mit dem Griechen Athonasios Caraminas, meiner ersten großen Liebe verheiratet. Diese Ehe stand ganz unter dem verhängnisvollen Stern der Kriegswirren des zweiten Weltkriegs. Wir lebten in Paris und litten sehr unter der Kriegssituation. Er war der Sohn des großen griechischen Patriarchen Archimandes, der als Beichtvater des griechischen Königshauses ein bedeutender Mann war.

Mein kleiner Sohn Paris wurde uns 1942 in Paris geschenkt. Er litt an einer Magenverengung, die dazu führte, dass er in meinen Armen im Alter von 4 Monaten kläglich verhungerte.  Ich konnte nichts dagegen machen – ich stillte ihn und gab ihm zu essen aber kurz darauf spuckte er alles wieder aus. Heute könnte man das operieren, damals war es das Todesurteil für meinen kleines Paris und ich leide heute noch darunter“.

Ein trauriges Schicksal.

Viele Jahre später hat Ilse Eliza Zellermayer noch einmal die Liebe ihres Lebens gefunden, Jean Guillo. Aus dieser Ehe ist ihr zweites Kind Tochter Ariana hervorgegangen.

Ein beeindruckendes und bewegtes Leben, das das Schicksal für Ilse Eliza Zellermayer geschrieben hat. Es ist eng verbunden mit der deutschen Geschichte, mit Berlin und natürlich mit der Musik.

Ilse Eliza Zellermayer hat ihr bewegtes Leben bisher in zwei Büchern verewigt, die beide ein Zeitzeugnis ablegen über ein öffentliches aber auch privates Leben des 20. Jahrhunderts: Drei Tenöre und ein Sopran – Mein Leben für die Oper, Prinzessinensuite – Mein Jahrhundert im Hotel

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