Frauke Thielecke – täglich zu Gast in Ihrem Wohnzimmer

Im Interview mit der bekannten Regisseurin

Eva-Maria Popp: Frau Thielecke, Sie sind eine viel gebuchte Regisseurin und arbeiten für viele Serien und Filme, die wir aus dem täglichen Fernsehprogramm kennen. Welche Serien sind das?

Frauke Thielecke: U.a. Küstenwache, Der Landarzt, Stubbe – Von Fall zu Fall, Tiere bis unters Dach und die Rentnercops. Aktuell drehe ich drei Folgen von In aller Freundschaft in Leipzig.

Eva-Maria Popp: Das klingt interessant, weil viele meiner Leserinnen und Leser diese Serien regelmäßig sehen oder auch jeden Sonntagabend mit den Protagonisten des ZDF Herzkino mitfiebern, wofür Sie die Regie für einen aktuellen Katie Fforde Film übernommen haben.

Frauke Thielecke: Ja, die Serien, für die ich arbeite haben gute Einschaltquoten und werden gerne geguckt, darüber freue ich mich natürlich sehr. Der aktuelle Katie Fforde Film, den ich im Sommer 2016 in Boston gedreht habe, heißt Bellas Glück und wird am 22. Januar 2017 um 20.15 ausgestrahlt. Die Hauptrollen spielen Diana Amft, Michael Mendl und Steffen Groth.

Eva-Maria Popp: Wie schön, dass wir an diesem Termin sozusagen live dabei sind, bei den Dreharbeiten. Können Sie uns ein paar Besonderheiten dazu erzählen und für meine Leserinnen und Leser aus dem Nähkästchen plaudern.

Frauke Thielecke: Wir haben für eine Szene mit Diana Amft und Steffen Groth in einer wunderschönen Bucht gedreht und extra schon um 6 Uhr morgens angefangen, wegen der sehr ausgeprägten Tide. Nachdem wir die erste Kraneinstellung gedreht hatten, zog rasend schnell Nebel auf, und wir konnten einige Stunden das Wasser nicht mehr sehen. So haben wir erstmal beschlossen, alle anderen Perspektiven abzudrehen – und dann dröhnte pausenlos das Nebelhorn! Die Schauspieler blieben gut gelaunt und haben ihren Text immer wieder angesetzt, trotzdem mussten wir fast die ganze Szene nachsynchronisieren. Bei einer weiteren Szene haben wir auf den Zug gewartet, mit dem wir die Szene anfangen wollten. Der fuhr aber nur alle anderthalb Stunden. Wir stehen also in den Startlöchern und warten gespannt, Diana Amft und Oskar von Schönfels, der ihren Sohn spielt, im laufenden Cabrio. Nur einer im Bunde fehlte: der Familienhund. Der Golden Retriever steckte mit seiner Hundetrainerin im Stau. Wir sahen den Zug schon, da kam sie um die Ecke, der Hund hüpfte noch schnell ins Auto, Kamera ab – und alles sieht wunderbar aus. Man sieht zum Glück den Szenen nicht an, wie viele Schweißtropfen sie oft gekostet haben.

Eva-Maria Popp: Nach Boston sind Sie zurückgekehrt an Ihren Wohnort in Hamburg, um an den Hamburger Kammerspielen das Stück Mein ziemlich seltsamer Freund Walter von Sibylle Berg zu inszenieren, das ein ziemlicher Erfolg war, wenn man die Kritiken liest. Gibt es einen Unterschied in Ihrer Arbeit zwischen der Regie für einen Fernsehfilm und einem Theaterstück?

Frauke Thielecke: Bei einer Theaterinszenierung hat man fünf Wochen Zeit, um das Stück zu proben. Da kann man Ideen mit den Schauspielern entwickeln, wieder verwerfen, umstellen, wieder aufnehmen… Beim Film geht natürlich alles viel schneller, ein 90-Minüter wie Katie Fforde wird beispielsweise in 21 Drehtagen gedreht. Das hört sich erstmal viel an, man muss aber bedenken, dass eine Szene aus verschiedenen Perspektiven gedreht wird, für die jeweils umgeleuchtet werden muss. Und manches klappt ja nicht beim ersten Mal. Häufig beinhaltet ein Drehtag auch Motivumzüge, sprich: Zum Drehort 1 hat man einen langen Anfahrtsweg, dann dreht man dort, und fährt danach noch mal zu einem zweiten oder sogar dritten Motiv, um da weiter zu drehen. Da muss alles sitzen, alle Figuren und ihre Haltung und alle Kamerapositionen sind vorher besprochen. Während man etwas dreht, wird schon etwas anderes vorbereitet. Etwas Simples wie Regen kann da schon mal eine Katastrophe sein.

Eva-Maria Popp: Der Beruf einer Regisseurin ist kein Beruf, den es häufig gibt. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Regisseurin zu werden?

Kameramann Meinolf Schmitz und Regisseurin Frauke Thielecke beim Dreh einer Kran-Einstellung. Foto: © Rick Friedman/ZDF
Kameramann Meinolf Schmitz und Regisseurin Frauke Thielecke beim Dreh einer Kran-Einstellung. Foto: © Rick Friedman/ZDF

Frauke Thielecke: Meine Eltern hatten zwar beruflich nichts mit Film zu tun, aber eine große Liebe zum Film, die sie mir weitergegeben haben. Nachts habe ich mit ihnen immer Western geschaut. Nach der Schule habe ich dann Amerikanistik und Germanistik mit Schwerpunkt Theater und Film studiert und wollte eigentlich feuilletonistisch arbeiten. Bei einem Stipendium in Wales konnte ich dann meine ersten Kurzfilme drehen und habe sozusagen Blut geleckt. Als ich nach Hamburg zurückkam, wollte ich erstmal ans Set, um alles von der Pike auf zu lernen. Ich habe als Setaufnahmeleitungsassistenz angefangen mit Kaffee kochen und Straße absperren – und wäre ich damals vor dem Bagger, der unbedingt durch die Absperrung wollte, nicht zurückgesprungen, würde ich heute wohl nicht Regie führen.

Eva-Maria Popp: Sie gehören zu den preisgekrönten Regisseurinnen. Können Sie uns verraten, welche Preise sie gewonnen haben?

Frauke Thielecke: Gerne. Ich habe u.a. sowohl den Max Ophüls Preis als auch den Studio Hamburg Nachwuchspreis und den Friedrich Wilhelm Murnau Preis gewonnen, außerdem diverse Preise im Ausland, z.B. in Moskau, Teheran, Porto, Brünn und Bozen.

Eva-Maria Popp: Was lieben Sie am meisten an Ihrem Beruf?

Frauke Thielecke: Dass er so vielfältig ist: Ich muss eine Vision haben, die sowohl Kostüm, Maske, Ausstattung und Motive beinhaltet als auch wie ich mir meine Figuren vorstelle. Ich arbeite an ungewöhnlichen Orten zu ungewöhnlichen Zeiten mit ungewöhnlichen Menschen zusammen und muss daher immer flexibel sein, mir schnell etwas einfallen lassen können, fix Entscheidungen treffen. Etwas Besseres kann ich mir nicht vorstellen, das alles entspricht voll meiner Persönlichkeit.

Eva-Maria Popp: Gibt es Schauspieler, mit denen Sie besonders gerne zusammenarbeiten?

Frauke Thielecke: Das sind eigentlich immer die Schauspieler, mit denen ich aktuell arbeite. Die begleiten mich als Regisseurin Tag und Nacht, ich denke ständig über die Rollen nach. Wenn ich jemanden herausgreifen müsste, würde ich Michael Mendl nennen. Seine offene, professionelle Art zu spielen ist ein großer Gewinn für jeden Regisseur.

Eva-Maria Popp: Vielen Dank für diesen offenen und aufschlussreichen Einblick in Ihre Arbeit und weiterhin viel Erfolg.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*