Interview mit Klaudia Müller, Mutter von Thomas Müller

Eva-Maria Popp:

Vielen Dank für die Einladung in ihr Haus inmitten der wunderschönen Landschaft am Ortsrand von Pähl. Dazu gleich meine erste Frage. Ist der Pfaffenwinkel Ihre Heimat?

Klaudia Müller:

Ja, so ist es. Ich bin hier auf dem Land aufgewachsen in einer Großfamilie, zusammen mit den Großeltern und den alten Tanten. Heute würde man das im modernen Jargon eine Mehrgenerationenfamilie nennen.

Eva-Maria Popp:

Können Sie uns ein paar Worte erzählen über Ihre Kindheit auf dem Land? Hat Sie diese Kindheit geprägt?

Klaudia Müller:

Auf alle Fälle kann ich sagen, dass es sehr rau und wenig einfühlsam zuging. Als Grundwerte habe ich tragende Botschaften mitbekommen: Brav muss man sein und vor allem fleißig. Über den Begriff Wohlfühlen im Alter hat man sich keine Gedanken gemacht. Meine Mutter könnte mit dem Begriff „Wohlfühlen im Alter“ überhaupt nichts anfangen! Sie hat gearbeitet, das war ihr Leben und damit war sie glücklich, solange Ihre Kräfte ausreichten. Heute fühlt sie sich wertlos und ist zutiefst unglücklich, weil sie zu nichts mehr Nutz ist. (Ihre Worte!)

Eva-Maria Popp:

Sie sind jetzt knapp über 50. Der Status als Seniorin steht sozusagen vor der Tür. Was erwarten Sie vom Alter? Wie sieht für Sie Wohlfühlen im Alter aus?

Foto: Susanne Wagner
Foto: Susanne Wagner

Klaudia Müller:

Für mich ist Wohlfühlen im Alter eng verbunden mit Bewegung, mental und körperlich. Mein Leben war immer geprägt von Sport und Bewegung. Wir mussten zwar auf dem Hof mithelfen, und hatten unsere Pflichtaufgaben. Das Motto war: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen„ Trotzdem blieb für uns noch genug Zeit zu spielen und uns sportlich zu betätigen. Wir haben Federball und Völkerball gespielt auf der Wiese, sind Radl gefahren und auch der Fußball gehörte damals schon zu meinem Leben. Mit meinen Freunden, das waren meistens Jungs, habe ich immer Fußball gespielt. Die schönsten Stunden habe ich im Dorf, auf dem Sportplatz und in der Pähler Schlucht verbracht. Das war unser Spielplatz. Das war Freiheit, wie es sie für die heutige Generation nicht mehr gibt! Als ich älter wurde, ungefähr mit 12, war mit Fußballspielen leider Schluss, weil das für Mädchen damals noch nicht passte. Damenfußball gab es noch nicht in der Umgebung. Deshalb bin ich umgestiegen auf Tischtennis. So kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass meine Kindheit neben  den Pflichten in Haus und Hof geprägt war von Bewegung, Sport und Spiel. Das war herrlich und schön. Die Freude an der Bewegung ist mir geblieben und da wird sich auch im Alter nicht viel ändern. Ich kenne genügend Menschen, die auch mit 80 Jahren noch ins Fitnessstudio gehen, Golf spielen, wandern oder sogar Tennis spielen. Das sind meine Vorbilder!

Eva-Maria Popp:

Glauben Sie, dass Ihre eigene Lust an der Bewegung die Grundlage gelegt hat für den sportlichen Erfolg Ihrer Söhne, vor allem von Thomas, der ein sehr erfolgreicher Fußballspieler geworden ist?

Klaudia Müller:

Weiß ich nicht!

Sicher hat sich die Freude an der Bewegung und am Sport und vor allem am Fußball auch auf die Kinder übertragen. Mein Mann, mein Bruder, mein Schwager, alle in unserer Familie haben Fußball gespielt. Wir alle haben mit unseren Kindern viel Zeit auf dem Fußballplatz verbracht. So sind meine Söhne aber auch die Nichten und Neffen auf dem Fußballplatz groß geworden. Das war ganz normal für uns alle und eine wunderschöne Zeit. Ich selbst bin dann allmählich auf Tennis umgestiegen, nachdem ich mit dem Tischtennis aufgehört habe.

Eva-Maria Popp:

Wie stellen Sie sich Ihre sportliche Betätigung vor, wenn Sie älter werden?

Klaudia Müller:

Dazu habe ich bereits die Weichen gestellt. Thomas hat uns mit seiner Begeisterung über den Golfsport angesteckt, so dass mein Mann und ich nun schon seit zwei Jahren die Platzreife besitzen und sehr gerne Golf spielen. Als passionierte Tennisspielerin bin ich bis zu meinem eigenen Einstieg in das Golfspiel – wie viele andere –  dem Trugschluss unterlegen, dass Golf langweilig sei im Vergleich zu Tennis. Das stimmt so überhaupt nicht. Mich hat schon als Kind vor allem das Spiel mit dem Ball interessiert. Die Bälle sind nur im Laufe der Zeit immer kleiner geworden!! (lacht) Golfen ist für mich eine echte Herausforderung und aus meiner Sicht viel schwieriger zu spielen als Tennis. Beim Tennis kann ich fehlende Technik mit meiner Handlungsschnelligkeit und meinem Kampfgeist ausgleichen. Das funktioniert beim Golf nicht mehr. Ich bin gezwungen, mich mit ganz anderen Inhalten zu beschäftigen. Das alleine finde ich schon spannend. Hier entscheidet Ruhe, mentale Stärke, Technik und Gefühl über Sieg oder Niederlage. Es ist die Faszination des perfekten Schlags die den Golfer süchtig werden lässt. Wenn der kleine Ball dorthin fliegt wo Du ihn haben willst, bist Du für einen winzigen Moment der glücklichste Mensch auf der Welt. Das fasziniert mich jetzt und wird mich auch im Alter auf Trab halten. Außerdem spielt das Alter beim Golf keine entscheidende Rolle. Wenn ich nicht mehr ganz rund laufe, dann nehme ich mir eben ein Golf Cart, na und! (lacht wieder) Es ist für mich ein Sport der Generationen verbindet!

Eva-Maria Popp:

Wie sieht es mit dem Radfahren aus?

Foto: Susanne Wagner
Foto: Susanne Wagner

Klaudia Müller:

Seit es das Elektrofahrrad gibt, fahre ich gerne Rad. Ich liebe mein E-Bike! So kann ich für mich sagen, dass Golf und auch das Fahrradfahren mit dem E-Bike absoluten Wohlfühlcharkater haben und das wünsche ich mir für mein Alter. Wohlfühlen im Sport heißt für mich, dass es leicht geht. Sport muss Spaß machen und das macht es nur, wenn ich mich nicht überfordere und ich niemanden mehr beweisen muss wie gut ich bin. Da ich im Voralpenland wohne, ist das E-Bike ein liebgewonnener  Luxus, weil es immer Berge oder zumindest Hügel zu bezwingen gibt. Vor allem, wenn ich mit dem Radl zum Sport fahre bin ich froh, dass mich mein E-Bike beim Heimfahren unterstützt.
Die Frage ist für mich immer: Was brauche ich um mich wohl zu fühlen? Wann geht´s mir gut und wann nicht.

Eva-Maria Popp:

Darf ich Sie um eine Empfehlung für unsere Leserinnen und Leser bitten?

Klaudia Müller:

Das mache ich gerne:
„Steigen Sie aus ihren alten Mustern und Gewohnheiten aus! Fragen Sie sich öfter: Was brauche „Ich“ selbst, damit es mir gut geht? Beschäftigen Sie sich mit Gesundheit, anstatt mit Krankheit! Meine Generation hat es schon eher gelernt, sich damit auseinanderzusetzen, wie man sich wohlfühlt und was man dazu braucht. Ich selbst orientiere mich an Senioren, die Humor haben und Ihr Leben in die Hand nehmen. Die trotz aller Entbehrungen im Hier und Jetzt leben und sich was gönnen. Ich bin in einer Umgebung aufgewachsen, die sehr von Leistung geprägt war. Bei meiner Mutter sehe ich, wie schwer es ist den wohlverdienten Ruhestand zu genießen, wenn man sich nur über Leistung und Fleiß definiert. Ich finde, man muss frühzeitig damit beginnen, zu erkennen, dass der eigene Wert von innen heraus kommt. Mein Motto: „Arbeiten um zu Leben“ und nicht umgekehrt. Ich bin für mich selbst verantwortlich, meinen eigenen Weg zum Wohlgefühl zu finden. Dazu bedarf es einer Innenschau. Die Kern- und Lebensfrage, die in jedem Alter wichtig ist lautet: Was will ich selbst wirklich? Und wie kann ich es mir erschaffen! Machen Sie sich auf den Weg nach einer passenden Antwort auf diese Frage! Erlauben Sie sich´s!

Eva-Maria Popp:

Vielen Dank, liebe Frau Müller für diesen informativen Einblick in Ihre „Denkwelt“ und die wichtigen Denkimpulse für unsere Leserinnen und Leser.

Klaudia Müller ist 51 Jahre und Deutschlands berühmteste Fussballmama. Ihre Söhne Thomas und Simon sind 26 und 23 Jahre alt. Zusammen mit ihrer Familie liebt sie den Sport und die Bewegung. Klaudia Müller ist Unternehmerberaterin und Mentalcoach.  Sie betreibt  „Die Lösungswerkstatt“ und begleitet dabei Menschen  lösungsorientiert bei der Optimierung ihres Unternehmens.

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