Interview mit Til Schweiger zum Thema Demenz

Foto: Warner
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Eva-Maria Popp:

Herr Schweiger, Sie erscheinen in vielen Filmen als cooler, harter Kerl. In den Streifen, die Sie selbst produzieren wenden Sie sich hingegen häufig sozialen Themen zu. Da geht es um Bereiche wie Alleinerziehende, Partnerkonflikte, Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf und nun, mit „Honig im Kopf“ packen Sie das Thema Demenz an. Wie passt das zusammen?

Til Schweiger:

Ich bin nicht so cool und hart, wie es manchmal erscheint, ganz im Gegenteil: ich habe eine große weibliche Seite in mir und Filmstoffe wie Familie, Freundschaft, Liebe, Entfremdung interessieren mich sehr.  Das gilt sowohl für mich als Filmemacher und Schauspieler aber auch als Zuschauer.

So hat mich der Film „Hereafter – Das Leben danach“ besonders angesprochen. Dieses  berührende Fantasydrama, das um Themen wie das  Jenseits, Spiritualität, Vergänglichkeit und die Bewältigung von Trauer kreist und mit Clint Eastwood und Matt Damon von hervorragenden Kollegen besetzt wurde habe ich in Kananda gesehen. Es hat mich sehr berührt und noch lange danach beschäftigt.

Eva-Maria Popp:

Wollen Sie mit Ihren Filmen dazu beitragen, dass aus Tabuthemen Trendthemen werden?

Til Schweiger:

Nein, nicht generell. Das Hauptziel meiner Filme ist es, Menschen zu unterhalten und sie in eine eigene Welt zu entführen. Ich will die Menschen einladen die Filme anzuschauen und die Botschaften zwischen den Zeilen und die kleinen Botschaften zu erkennen.

Eva-Maria Popp:

Sie haben für längere Zeit in den USA gelebt. Dort geht man mit Handicaps wesentlich lockerer und selbstverständlicher um als in Deutschland. Glauben Sie, dass in der Folge die Lebensbedingungen für Menschen mit Demenz und deren Angehörigen in USA besser sind?

Til Schweiger:

Ich habe mich  für den aktuellen Film „Honig im Kopf“ intensiv mit dem Thema Demenz beschäftigt, um im Film möglichst authentisch zu kommunizieren, was es damit auf sich hat. Allerdings habe ich meine Recherchen eher in Deutschland durchgeführt. Wie es Demenzkranken in Amerika geht weiß ich aktuell nicht.

Eva-Maria Popp:

Ich habe gelesen, dass Ihr Opa dement war und dass Sie ihn betreut haben. Hat die Vorbereitung auf den Film und die damit verbundene intensive Auseinandersetzung mit der Demenz die Erinnerung an die Zeit mit dem Opa intensiviert und erneuert?

Foto: Warner
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Til Schweiger:

Ich habe meinen Opa einen Sommer über 6 Wochen betreut, damit meine Oma auf Kur gehen konnte. Damals habe ich viel gelernt und intensive Erfahrungen gemacht, an die ich mich während der Vorbereitung auf den Film aber auch während der Dreharbeiten immer wieder erinnert habe.

Eva-Maria Popp:

Haben Sie sich schon einmal mit dem Gedanken beschäftigt, dass Sie selbst dement werden könnten?

Til Schweiger:

Natürlich! Ganz klar! Nachdem Abschluss der Dreharbeiten habe ich einen Alzheimertest gemacht. Wenn man sich so intensiv mit der Materie beschäftigt denkt man bei jedem Vergessen, dass das die ersten Anzeichen sein könnten.

Eva-Maria Popp:

Haben Sie eine Botschaft für unsere Leserinnen und Leser, die sowohl Senioren, als auch pflegende Angehörige sind?

Til Schweiger:

Ja, ich habe eine Botschaft:

Es sind die Kinder, von denen wir den richtigen Umgang mit Menschen mit Demenz erlernen können. Wie die Tilda im Film sollte man lernen, sich auf die Demenz in all ihren Facetten einzulassen, statt immer dagegen anzukämpfen.

Deshalb braucht es in Zukunft viele Kinderprojekte, denn Kinder verstehen instinktiv, was ein Mensch mit Demenz braucht.

Eva-Maria Popp:

Vielen Dank für das Gespräch auch im Namen unserer Leserinnen und Leser und vor allem vielen Dank für den Film „Honig im Kopf“. Ein Klasse Film, der zugleich berührt und lehrt !

til-eva-biancaDas Interview mit Til Schweiger führten Eva-Maria Popp und Bianca Mattern.

Der Film „Honig im Kopf“ ist hier erhältlich.

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