Zu Gast bei Kardinal Schönborn in Wien

Roland und Eva-Maria Popp im Gespräch mit dem Vorsitzenden der österreichischen Bischofskonferenz

Wien, Wollzeile 2 – Das ist die Adresse von der aus die Österreichischen Katholiken „regiert“ werden.

„Grüß Gott, ich bin hier der Hausherr.“

So einfach stellt sich Kardinal Schönborn vor, als ich ihn zusammen mit meinem Mann in Wien besuche, um für Sie, liebe Leserinnen und Leser zu erfahren, wie einer der mächtigsten Kirchenmänner der römisch katholischen Kirche über das Altwerden denkt.

Seine Eminenz ist 70 Jahre alt und nun stellt sich die philosophische Frage: Ist er jung oder alt?

Tja, eigentlich ist man mit 70 schon alt, ABER – als Kirchenmann und Kardinal gehört man unter seines gleichen eher zu den Jungen.

Ich entscheide mich dafür, dass Kardinal Schönborn auch im normalen Leben auf alle Fälle zu den Junggebliebenen gehört. Er macht den Eindruck eines vitalen, äußerst umtriebigen Mannes, der mit beiden Beinen im Leben steht und voller Tatendrang und mit Freude seinen zahlreichen Aufgaben nachgeht. Und diese Aufgaben sind ganz besonders:

Als Vorsitzender der österreichischen Bischofskonferenz ist der „Herr Kardinal“, wie ihn die Gläubigen Wiener liebevoll nennen das bestimmende Element in der österreichischen Kirche und ein wichtiger Mann in der römischen Kurie, in der er ebenfalls sehr viele und wichtige Ämter bekleidet. Beim letzten Konklave galt er kurzzeitig in einigen Medienkreisen sogar als „papabile“. Damit werden die Kandidaten gehandelt, die eine große Chance haben zum Papst gewählt zu werden.

In der römischen Kurie bekleidet Kardinal Schönborn folgende Ämter:

  • Kongregation für die Glaubenslehre
  • Kongregation für die orientalischen Kirchen
  • Kongregation für das Katholische Bildungswesen
  • Päpstlicher Rat für die Kultur
  • Päpstliche Kommission für die Kulturgüter der Kirche
  • Päpstlicher Rat zur Förderung der Neuevangelisierung
  • Kardinalskommission zur Aufsicht über die Vatikanbank IOR
  • Päpstlicher Rat für die Laien

In Österreich ist Kardinal Schönborn der Vorsitzende der Glaubenskommission, der Katechetischen Kommission und der Finanzkommission. Außerdem leitet er das Referat für Berufspastoral, das Referat für Ökumene, das Referat für verfolgte Christen, das Referat für Bildung und Schule und das Referat für Katholische Krankenanstalten.

Eine sehr vertrauensvolle Aufgabe wurde ihm von seinem persönlichen Vertrauten, dem emeritierten Papst Benedikt übertragen: Er bat Schönborn den Vorsitzender des Kuratoriums der Joseph Ratzinger Papst Benedikt XVI.-Stiftung zu übernehmen.

Eva-Maria Popp

Eure Eminenz, Sie bekleiden sowohl in der römischen Kurie, als auch in der österreichischen Kirche eine Fülle an Ämtern. Das braucht einen Menschen, der voll im Leben steht und der kraftvoll und  im Besitz seiner ganzen Energie agieren kann. Wie schaffen Sie das in Ihrem Alter?

Kardinal Schönborn

Das schaffe ich, weil ich mein Alter annehme und akzeptiere.

Eva-Maria Popp

Was bedeutet Alter für Sie?

Kardinal Schönborn

Alter hat mit Lebensabschnitten zu tun. Jeder Lebensabschnitt hat seine Anforderungen und Aufgaben. Ein Kind muss viel lernen und wachsen, ein Jugendlicher muss sich selbst und seinen Weg finden. Als Erwachsener geht man seinem Beruf nach und arbeitet an seinem Lebenswerk.

Als Senior hat man die Aufgabe zu seinem Alter zu stehen. Meine große Bitte an alle: Lasst mich alt sein!

Alt sein hat  etwas mit Würde zu tun. In Würde alt sein zu dürfen ist etwas Wundervolles.

Eva-Maria Popp

Ist es diese positive Einstellung zum Alter, die Ihnen die Kraft gibt, Ihre Aufgaben zu bewältigen.

Kardinal Schönborn

Auf alle Fälle. Daraus, aber auch aus dem tiefen Vertrauen auf Gott beziehe ich meine Lebenskraft.

Wie alt sind Sie? (Diese Frage stellt er an meinen Mann)

Roland Popp

Ich bin 59. Auch schon ganz schön alt.

Kardinal Schönborn

Ach, mit 59 sind Sie ja ein junger Hupfer. Da sind Sie noch weit weg vom Alter.

Roland Popp

Wie man es nimmt. Aber Sie haben sicher recht damit, dass man sein Alter in jeder Lebenslage annehmen muss.

Kardinal Schönborn

Genauso ist es. Diese Weisheit möchte ich allen Menschen mitteilen. Und nicht nur das Alter sollte man annehmen, sondern auch das Schicksal.

Ich darf Ihnen dazu eine Geschichte erzählen:

Es war am 07. Oktober 1938, als einer meiner Vorgänger Kardinal Innitzer im Stefansdom verkündete, dass nur Christus unser Führer sei. Am nächsten Tag verwüsteten Hitlertrupps das Erzbischöfliche Palais und viele Bilder und Kunstgegenstände.

Viele davon wurden unwiderbringlich zerstört. Andere wiederum konnte man restaurieren. Ein Bild jedoch, ein Kreuzigungsbild wird immer so hängen bleiben, mit allen Zerstörungen. So werden wir immer erinnert, an diesen barbarischen Akt. Tragischerweise wurd dabei auch ein junger Kaplan aus dem Fenster geworfen. Er hat das Attentat überlebt, starb aber später an seinen Verletzungen.

Ich werde veranlassen, dass Sie nach unserem Gespräch durch die Räume des Palais geführt werden, dann können Sie das Bild selbst sehen.

Eva-Maria Popp

Das ist sehr tragisch und ich denke Sie haben Recht. Trotz allem muss man auch dieses Schicksal annehmen.

Kardinal Schönborn

So ist es.

Eva-Maria Popp

Eure Eminenz, Sie wurden in Böhmen geboren. Nun leben Sie in Österreich. Welcher Nation gehören Sie in Ihrem Herzen an?

Kardinal Schönborn

Ich bin in den vielen Nationen der Donauländer zu Hause. Ich bin sicher, dass die derzeitigen Spannungen im Laufe der Zeit nachlassen und dass diese Länder wieder zusammenwachsen werden.

Eva-Maria Popp

Wir bedanken uns auch im Namen der Leserinnen und Leser ganz herzlich für dieses Gespräch und vor allem, dass Sie uns einen Einblick in die Räume des Erzbischöflichen Palais geben werden.

Danach führt uns der persönliche Begleiter des Kardinals durch die Räume des Erzbischöflichen Palais und zeigt uns das Kreuzigungsbild und eine Reihe von Engeln, die beim Sturm auf das Palais zum Rosenkranzfest auseinandergeschlagen wurden. Sie sind liebevoll restauriert worden und zieren nun das Treppenhaus des Palais. emp

Foto: „Rotenturmstraße 2“ by Thomas Ledl – Own work. Licensed under CC BY-SA 3.0 at via Wikimedia Commons

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